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sächsische Informations-Compagnie zu Berlin | Marcus Pauli
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28 Sep 10 ohne titel

halt reist
aus.versehen
fängt alles
auf.genommen
hat sie alles
von ihm.bleibt
nicht viel.mehr
noch.wie viel
bleibt wenig?er
kommt nicht weit.er
bleibt stumm.manchmal
ist stille.so aufgeregt
will er es.nie
ruhe.ist nicht zu lieben
besser?als er
träume hatte,er-
zählte er sie
nicht.einmal er-
fährt sie davon
sie geht.nicht
ein wort kann
etwas ändern

100917


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02 Sep 10 Im Matratzenschein

Im Matratzenschein liebten wir uns
Ich hier, Du dort.
Dazwischen: eine Lichtung.
Wie blutrünstige Schmetterlinge
gewitterten wir durch die schwangere Luft
Deine Brombeerbrust wellte mir entgegen
An einem sonnigen Hügel kam ich plötzlich
zum Stehen.
Ich hielt inne,
Du schautest innig herüber
Ja? fragte ich hin
Ja! befehltest Du zurück
Kein Priester weit und breit – zum Glück!
Ich war von Deinen Sinnen
Am Ende alles still
Nur von Weitem Sterne
sich ächzend liebkosend.

100722


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26 Aug 10 Ohne besondere Vorkommnisse

ohne besondere vorkommnisse
nicht der rede wert
nur ein paar zettel
wurden bekritzelt

ohne besondere vorkommnisse
nichts wesentliches
nur eine duftspur
und ein paar haare

ohne besondere vorkommnisse
nichts von belang
nur eine kleine weile
im groben und ganzen

ohne besondere vorkommnisse
nichts von dauer
nur eine kleine traurigkeit
die nicht gehen will

ohne besondere vorkommnisse
nichts um ein herz zu beweinen
nur ein kleines fehlen
deiner augen in meinem blick

100825


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24 Aug 10 Herbstgedicht

fahles Licht klatscht ans Fenster
Wind treibt Faltblätter
düster schimmert Regen
Fäulnis im Blumentopf

Riesen im Wald
im Halbdunkel schwanken
müde ihre Schatten
Einsamkeit stählt nicht

Heißer Tee dampft
Honig tropft golden
sinkt langsam abwärts
löst sich auf

hilfloses Warmwasser
gurgelt unterm Fenster
müde verschwindet
grauverschleierte Sonne

100824

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15 Jun 10 betrieben

treiben verfängt sich schweben
schweigen verstummt alles
worte stehen lose

schatten folgen schattenfolgen
wege flüchten den schatten
verfluchte schattenflucht

sonniges versteck
hinterm mond
kalt, klar, nüchtern
und doch: licht.

gemütliche neonröhren
schlagen aufs gemüt
ein. mal will ich sein
ohne zu schweigen


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04 Mai 10 Letztes Gespräch

Wir sind hier
wo wir immer waren.
Du sagst:
Wir müssen reden.
Wo wir jetzt stehen,
sagst du,
und gehst.

Du bist gegangen
und willst doch bleiben
So rede doch,
sagen wir,
fragen wir,
wohin dieser Traum denn führt,
im Gehen schon.

Wir kommen wieder,
Nachdem du wiederkommst
Du musst
jetzt gehen. Wir
können nicht bleiben
Es ist wohl Zeit.

Du schaust auf die Uhr
Wir blicken zurück.

Geh’,
sagen wir,
sonst kommst du zu spät.

100504


mit tatkräftiger Unterstützung von miescha

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18 Apr 10 Sonntag.

Draußen ist’s Frühling.
Auf der Straße bellen Hunde.
In den Bäumen singen Vögel.
Sonne wärmt die Balkone.

Von irgendwo Schreie.
Sie dringen durch alle Türen.
Kommen übers Treppenhaus.
Aus einem Kind.

Ein Schrei ist Schmerz
Ein Schrei ist Trotz
Ein Schrei ist Wut
Ein Schrei ist Klage

Wo ist denn der Tatort?
Heute ist doch Polizeiruf.
Hauptsache Krimi.
Ein Kind schreit.


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15 Feb 10 Am Meer

Dichter Dunst hochhängender
Wolkendecken will wohl wirklich
die so schön strahlende Sonne
ungestraft übertünchen.

Dicht drängt er eine
weiße Wolkenschicht
scheinheilig hoch
über unserm
unberührten goldgelben
Sandstrand.

Doch die
so schön strahlende Sonne
- ein ewiges Einzelkind -
kennt keine Konkurrenz

Es eilen stark-sanft-stark
wehende Winde um Übleres
- einen todtraurigen Tag etwa -
von vornherein zu zeitigen.

Ergänzend erwärmt
die so schön strahlende Sonne
das darbende Meer mit
ihrer innigen
leidenschaftlichen Liebe.

Dieses dankt ihr,
indem es eifrig
das dunstfreie Firmament feierlich
mit meisterhaft
blauer Brillanz begrüßt.

Inzwischen ist unser
unberührter goldgelber Sandstrand
von vielen Bewunderern
bevölkert.

Sie saugen jenes… ja
bisweilen Bizarre
in ihr Innerstes auf.
Möglicherweise möchte
jetzt jeder einfach eine
Bräunung bekommen.

Die mit Menschen durchdrungene
See säuselt sanft
süße Geschichten gestriger
Zeiten. Zum Zuhören kommt kaum
einer. Eigentlich wollen wir
bloß baden. Einer Erzählung
in inzwischen alt anheimelnden
Klängen kann kein Mensch mehr
folgen. Frustriert macht Meer
was wir wirklich wollen:
Wellen.

050710


15 Feb 10 Alliterationen zum Valentinstag

Sanft salziges Schmachten schafft
wilde Wut. Wollüstig will
eine egoistisch-einnehmende, einfach
kindsköpfig kontrollierte Kicherkaskade
durch dreiste Dunkelheit deprimieren.
Aber angesichts aufrichtig abgöttischer
Liebe lacht Leben lauthals.
Noch nichtigere Narreteien nagen,
von Vielbesserfühlerei völlig verkümmert, vergeblich
am als allgemein als Allerstärksten
bekannten, beiläufig bisweilen Brust
genannten, genau genommen glühendes,
heiliges Herz heißendes Himmelsstück
im Inneren. Immer inniger ist
dieses durch direkten Druck der
langsamen Leidenschaften, lieblich-leichtfüßig
gewordener Gesten, glamourös gewachsener
Seilschaften sowie sensibler Stimmungen
geworden. Genau genommen
hat heute hier heimlich
ein einfacher, eigens entwicklter
plötzlich passierter Putsch plausibel
die derzeitige Demoskopie durchaus
bewiesen. Bekanntermaßen befehlen bei
Verstandessachen Verstandeskräfte. Vielleicht verfügen
aber auch Andere – Außenstehende -
über übungsreiche, übernatürliche – übrigens
friedfertige – Fähigkeiten?
Doch diesem Diktat darf
keiner kleine Kummer klagen.
Freiheit fürs Fühlen!
Demut dem Denken!


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